Freitag, 15. Juni 2012

14.06.2012

14.06.2012 - I'm like a bird

Hallooo ihr mit den mehr oder weniger wechselhaften Temperaturen!

Auf Zypern fangen die Temperaturen jetzt konstant an zu steigen, atemberaubend! In Agros sind es tagsüber ungefähr 30 Grad in der Sonne und in Nikosia beginnen die Menschen zu leiden bei bis zu 38 Grad. Morgen werde ich das Leid teilen, denn da fahre ich nach Nikosia, um bei einem APV (Vortreffen) für das Dreier-Führungs-Treffen von Dänemark, Polen und Zypern zu helfen, als Entertainer und Aufpasser sozusagen. Zwischendurch, am Anfang und Ende ist irgendwie keiner von den Zyprioten die das organisieren da und da helfe ich ein bisschen aus.

Nun, nach zwei Monaten, bringe ich euch erstmal auf den neuesten Stand über das, was in den letzten zwei Wochen passiert ist, und was demnächst passieren wird.

Am 5. Juni, das war der letzte Dienstag habe ich meine Griechischprüfung geschrieben, die ich, wie sich drei Tage später herausstellte, mit 100% bestanden habe. Meine Lehrerin war ganz traurig, dass ihre beste Schülerin, mit dem besten Fortschritt und den größten Ambitionen (stammt nicht aus meinem Munde, ich werde immer ganz rot, wenn sie sowas sagt), am nächsten Kurs nicht mehr teilnehmen wird. Als Gratulationsgeschenk habe ich von Nikolas sogar ein Geschenk bekommen: eine Kette von Swarovski mit zart-rosa Schmetterlingsanhänger. =) Lieb, nicht war?

Auf meiner Veranda habe ich jetzt ein Sofa und einen Tisch stehen, deshalb kann ich jetzt im Prinzip alles draußen machen. Gemütlich auf dem Sofa sonnen, Arbeit am Computer, dumm rumsitzen, Filme schauen und essen und so weiter. Ich habe auch lebende Pflanzen auf der Veranda, ich habe nämlich ein kleines Minzebüschelchen gekauft, eingepflanzt, das wächst wie wahnsinnig. So kann ich mir immer schön Eistee dekorieren. Oder in den Taboule-Salat schnippeln. Außerdem habe ich auch Basilikum in höchst dekorative RecycleMichflaschen gepflanzt und in ein bis zwei Wochen, kann ich das dann auch nutzen. Die Blümchen wachsen allerdings noch nicht so tolle.

In Agros haben jetzt alle ihre Eistruhen aus dem Keller geholt und der nationale Eisproduzent „Papafilou“ oder wie es auch heißt, irgendwas mit fi und irgendwo auch ou, hält wieder Einzug in den Bars, Cafés und Peripteros, ebenso wie eine breite Variation an Sonnencremes, Sprays, Lotions, Ölen usw. zu völlig überteuerten Preisen. Moreover gibt es jetzt auch riesige Wassermelonen üüüberall, die sind ganz süß, aber heute auf Arbeit habe ich erfahren, dass die im August noch süßer und größer sind. Da frage ich mich doch, wie viele Leute ich auf eine Party einladen muss, damit es sich lohnt, eine Melone zu holen. Furthermore haben wir jetzt auch Kirschen, Aprikosen, Honigmelone, Pfläumchen und alles Mögliche.

Überall blühen gerade die Granatapfelbäume und glaubt mir, wenn aus der Blüte der Apfel entsteht, DAS ist die wahre Perfektion auf dieser Welt, das sieht so schön aus, dass es schon beinah Poesie ist. Diie Rundung, das Grün, die dicken fleischigen, dreieckigen Blätter an der Öffnung mit den, ja wie heißt es noch (hätte ich doch in Bio besser aufgepasst) Blütenstängeln. Das ist wirklich wirklich bezaubernd.

Generell ist die Variation an Blumen hier gerade so hoch, so viele Farben und Arten, das ist echt toll, auch wenn das alles nur durch vermutlich wenig nachhaltige Wasserversorgung zustande kommt. Abends ist es gerade in Agros immer am schönsten, wenn die Luft ein bisschen feucht wird, man den Blumenduft einatmen und den Sternenhimmel anstarren kann. In Agros haben wir sogut wie immer einen klaren Himmel, im Gegensatz zur Küste oder Nikosia. Neulich hatten wir auch einen riiiiiesigen Mond, ganz gelb-orange vom Sahara Sand. Wirklich beeindruckend.

Was mir auf den Keks ging, waren anderthalb Wochen lang im Mai braune kleine Käfer, die waren wirklich eine Plage, da habe ich fast eine Paranoia entwickelt, die waren überall in der Luft und haben meine Terrasse zu hunderten bevölkert. Einmal habe ich den Fehler gemacht, den Wäscheständer mit meiner frischgewaschenen Wäsche (so viele Wäschewörter!) rauszustellen. Als ich die Wäsche (!) dann abnahm, habe ich für eine Waschmaschine (!) Wäsche (!) anderthalb Stunden gebraucht, weil ich alles abklopfen und dreimal auf links und rechts drehen musste, um sicher zu gehen, dass mir demnächst keine Käferlein aus dem Schrank entgegen krabbeln.

Wo wir gerade bei Käfern sind. Vor zwei Wochen habe ich das erste Mal in meinem Leben eine Kakerlake gesehen. Gott sei dank nicht bei mir im Haus. Es war Abend, und ich wollte gerade mit meinem Mentor Giorgos einen von unseren Freiwilligen aus Limassol für einen Wochenendtrip abholen. Da haben wir uns noch in die Küche gesetzt und einen Schluck getrunken, als dieserejenigesolche Armando (gebürtiger Mexikaner) uns voller Stolz die erlegte Cucaracha zeigte und weise erklärte, die müsse man da liegen lassen als Abschreckung für die anderen Viecher. Mich ergriff spontaner Ekel, der mich jedes Mal schüttelte, wenn mein Blick das vermeintlich tote Tier streifte. Näher als einen Meter habe ich mich nicht herangetraut. Als wir dann plötzlich feststellten, dass sie sich noch bewegte kamen wir auf die glorreiche Idee, sie mit Vodka zu übergießen und anzuzünden. Das klingt jetzt ziemlich barbarisch, aber immerhin muss man sie dafür nicht anfassen und man macht sich keine Schuhe dreckig und es gibt kein knackendes Geräusch vom Panzer. Gesagt, getan und das Ding Stand in Flammen, die Beine in der Luft. Als wir uns dann ihre Ablebens gewiss waren, habe ich sie näher untersucht und auf den Bauch und die Seite gedreht, bestimmt drei Zentimeter war sie lang. Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug nach Pafos zum Baden gemacht, der Weg zum Strand, an dem wir nur eine Stunde verbrachten und an dem das Wasser voller Algen war, zog sich in die Länge von beinahe 5 Stunden (eigentlich hätte man nur 1 1/2 gebraucht). Als wir danach zur Fischmeze in ein Restaurant gegangen sind (dabei mag ich gar keine Fischmeze, so viele Meeresfrüchte, ich mag keinen Oktopus, keine Krabben und auch keine Shrimps, was hier beiiweilen auf so viel Unverständnis stößt, als würde man sagen, dass man Vegetarier ist und deshalb auch kein Hühnchen isst). Ja also neuer Anfang, da saßen wir also, und die großen Shrimps kamen. In süßer Erinnerung an dden vorigen Abendsagte ich, was ich, was mir in den Sinn kam und schuf so den ultimativen Appetitverderber: „Weißt du, die sehen doch irgendwie aus, wie Kakerlaken.“

Genug Wörter an die Kakerlaken verschwendet, kommen wir zum nächsten Tier: Den Schlangen. Auch die erste frei lebende Schlange habe ich vom Bus aus gesehen, schwarz und lang. Hatte keine Lust auf näher Bekannstschaft, deswegen habe ich den Bus nicht angehalten. Hier gibt es ja auch giftige Schlangen, deswegen sollte man vorsichtig sein, wenn man durch die Prärie läuft und sie nicht gerade tätscheln.

Dieser Ausflug nach Pafos, war Pfingstwochenende. Dieses Wochenende, + Pfingstmontag widmen die Insulaner traditionellerweise dem Strandurlaub. Am Montag sind wir nach Kyrenia in den Norden Zyperns gefahren, quasi das verbotene Land. Mit der Kühltasche voller Agros-Wasser und selbstgemachten Sandwiches (Meine Mitfahrer hatten vermutlich Angst, Geld zu tauschen, denn Sparen ist sonst nicht so ihr Ding – immer wenn ich diesen Umstand mit den Sandwiches einem Nichtzyprioten erzähle, muss derjenige meist lachen oder den Kopf schütteln, denn jeder weiß, dass die Zyprioten keine Leute sind, die sich Fahrtenbrötchen schmieren. Die nehmen jeden Kiosk und jede Bar mit, die am Straßenrand ist. Bezeichnende Kleinigkeit für den Konflikt. Das meine ich nicht als Kritik, sondern eher als Fakt.) Nun denn, wir sind also nach Kyrenia gefahren, immer darauf bedacht, angeschnallt zu sein und im richtigen Tempo zu fahren und höflich zu sein. Nordzypern sieht nicht viel anders aus als Südzypern. Der türkische Teil nimmt 37% der Insel ein, ist, soweit ich gesehen habe, an der Küste meist dichter bebaut als im Inland, wo es mitunter viele viele leere Neubauten gibt. Alles ist auf Türkisch, nur wenig auf Englisch, anders, als es in Südzypern üblich ist. Für mich ist Kyrenia eine Hafenstadt wie jede andere auch, aber für meinen Mentor und meine Freundin Andri aus Agros, war es schon etwas eigenartig. Die wollten auch nicht sooo lange bleiben. Wir sind dann noch an einen Strand gegangen, wo es für 2 Euro schön sauberes Meer und eine Sonnenliege gab. Was mir noch aufgefallen ist, dass es dort unheimlich viele Reklameschilder gibt, das ist echt verwirrend, wenn man nach Verkehrssignalen Ausschau hält. Und natürlich die Flaggen, da sind sie ja wie wahnsinnig. Überall in allen Größen. Schon ein bisschen einschüchternd. Für mich als Deutsche ist das ja nochmal was anderes, denn wenn nicht gerade Fußball EM oder WM ist, neigt man ja in Deutschland ein bisschen zur Flaggenangst. Da hat man gleich Angst, man könnte gefragt werden, ob man denn Patriot, Nationalist oder gar Extremist sei. Ich kann mich noch an ein Oberteil erinnern, dass ich vor ein paar Jahren hatte. Diagonal in gelb, orange, und braun gestreift, aber sehr dunkel, sodass es im falschen Licht beinah wie schwarz-rot-gold wirkte. Da haben mich sogar ein paar Leute drauf angesprochen. „Haha, Deutschlandfahne.“

Bin übrigens nicht an der Teilnahme an Fußball-Fernsehen interessiert.

So viel für's erste, mehr gibt's später.


Liebe Grüße,



Elisa

Dienstag, 17. April 2012

13.-17.04.2012


13. – 17. April 2012 – Österliches.

Gerade kommt man aus dem österlichen Deutschland, hat den Bauch noch voll und das nächste was man bekommt ist – na was wohl – Essen. Das sogenannte Hungergefühl, dass man in der rauhen Steinzeit wohl noch kannte, ist mir fremd geworden.

Nachdem mein Rückflug nach Zypern ruhig verlief bin ich am nächsten Tag, dem griechisch-orthdoxen Karfreitag mit Caroline (einer ehemaligen Freilwilligen von hier, die hier gerade zu Besuch ist) zu Alexis und Andreas Familie gegangen. Dort wollten wir eigentlich helfen, Flaounes (Fla-ú-nes) zu backen. Das sind spezielle Ochterkuchenmit einer Käsefüllung, die in dieser Art nur zu Ostern hergestellt wird. Außerdem enthält die Füllung auch Ei und Rosinen. Da man aber nur mit ausreichender Perfektion und geprüfter Qualifizierung am eigentlichen Produktionsprozess teilnehmen darf (das war jetzt Ironie), durften wir wenigstens die Bretter mit den fertigen Flaounes halten, damit sie in den Steinofen geschoben werden konnten. Naja, immerhin durften Caroline und ich ganz alleine aus dem fertigen Olivenbrotteig kleine Fladen formen (Juchu!). Aber das war ganz nett. Ansonsten haben wir faul in der Sonne gesessen (daher auch der Sonnenbrand im Gesicht) und haben geplaudert oder über Andreas Sohn gelacht, der äußert dicke Backen hat und immer guckt, als würde jemand hinter seinen Augäpfeln sitzen und sie mit den Fingern rausdrücken. Das ist ein süßes dickes Baby. Nebenbei haben die Männer noch an der Terrasse rumgewerkelt, einen Zaun angebracht, dass Terrassendach gedeckt und Kaffee getrunken, vornehmlich Frappé. Dann gab es Mittagessen (Kolokasi und Bohnen mit Spinat). Es ist auch Tradition am Karfreitag groß reine zu machen. Später am Tag wird noch eine Art Tischen vollkommen mit Blumen ausgeschmückt, der dann das Grab Jesu symbolisieren soll, das ganze nennt man Epitaph. Abends haben die Glocken ein bisschen anders geläutet als sonst, ein bisschen trauriger. Man denkt eben den ganzen Tag daran, dass Jesus gekreuzigt wurde. Mit ihrer Osterwochen-Liturgie empfinden Die orthodoxen Griechen bzw. Zyprioten als quasi in Echtzeit die Geschichte in der Bibel nach. So steht in der Bibel geschrieben:

Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

Am Samstagmorgen wird zum Beispiel in der Kirche ein Heidenkrach (haha) veranstaltet, weil alle Leute mit den beweglichen Sitzflächen klappern um damit das Erdbeben zu symbolisieren.

Übrigens färbt man in Griechenland und auf Zypern die Eier hauptsächlich rot, die Geschichte dazu, die man mir erzählt hat, berichet von einer Frau, die die Nachricht der Auferstehung erfährt und sagt, das würde sie erst glauben, wenn dieses Eier, die sie trägt, rot würden. Woraufhin diese sich natürlich rot färben. Manche sagen allerdings auch, dass das Rot für das vergossene Blut Jesu steht.

Am Samstagabend gehen alle Leute und noch viel mehr mit Osterkerzen in die Kieche zur Mitternachtsmesse. Diese Kerzen werden schon vor Anfang April in Massen hergestellt, in den Schulen gebastelt, die Paten schenken sie ihren Patenkindern usw. Oft sind sie nett dekoriert aber man bekommt sie auch noch einfach in der Kirche zur Messe. Diese Kerzen stehen für das Wunder der Auferstehung Christi, wenn cih das richtig verstanden habe. An einem bestimmten Punkt werden die Kerzen angezündet und zwar mit einem Feuer, das extra zu diesem Zweck aus Jerusalem über Athen nach Zypern gebracht wird. Der Priester sagte, man solle sich doch nicht darum drängen, wer als erster sein Licht anzündet, weil das doch egal sei und das Licht sei doch erst vor fünf Minuten angekommen. Als quasi: Ist doch gut, macht langsam. Danach dürfen alle die Kerzen mit nachhause nehmen. Früher wurde mit diesen Kerzen hinterher auch noch eine Zeitlang alles Feuer im Haus angezündet (Kochstelle, Kamin, Licht etc.). Die Mitternachtsmesse geht in ihrer Vollständigkeit bis 3 Uhr nachts, dann gibt es Abendmahl, das aber nicht wie bei den Protestanten im Kreis von einem zum nächsten gegeben wird, sondern man muss wohl in einer Schlange anstehen und bekommt das dann vom Priester. Das habe ich mir allerdings nicht gegeben, weil mir von den 300 Leuten in der Kirche (und das ist sicher nicht übertrieben), mit ihren Kerzen, dem Weihrauchqualm und der warmen Luft von der Heizung, auf der sich saß, ein wenig übel wurde. Außerdem ist 3.00 Uhr echt lang. Wenn man die Kirche verlässt, wünscht man sich gegenseitig „Christos anesti!“ – Christus ist auferstanden. Die meisten gehen danach nachhause und essen eine Eiersuppe mit Zitrone. Außerdem gibt es Osterfeuer, die Judas Verbrennung symboliseren, nachdem der sich aufgehängt hatte. Desweiteren böllert man, oder sollte man es eher dynamiten nennen. Dafür gibt es keinen ästhetischen, traditionellen, praktischen, oder auch nur sonst irgendeinen vernünftigen Grund. Es stinkt, es ist unheimlich laut und es macht mir Angst, weil die jungen Männer das Dynamit (wir bleiben ruhig dabei, denn normale Böller sind das auf keinen Fall), vorzugsweise einfach irgendwohin werfen, auch wenn an diesem irgendwo jemand steht. Das hat mir also ganz und gar nicht gefallen. Aber wenigstens machen manche auch ganz normales Feuerwerk.

Ansonsten war ich gestern noch mit Giorgos und Caroline in Lemesos am Abend, Kaffee trinken. Ich hatte was ganz wildes, Mangoeis-Zimt-Kaffee, war nicht der Renner. Wir haben über dies und das geredet und Caroline hat ein bisschen von ihrem EVS erzählt und mir Empfehlungen für Plätze, Bars und Events gegeben. Das Café wo wir waren hatte übrigens so schöne Toiletten, dass ich sie fotografieren musste. Im Auto haben wir uns noch über die deutschsprachige Party-Musik unterhalten, solche Schätze wie „Nein Mann, ich will noch nicht geh’n“ oder „Yippie yippieh yeah, yippie yeah, KRAWALL UND REMMIDEMMI“. Und weil wir mit Giorgos auf seinem internetfähigen Handy endlich mal nachgeschaut habe, wann mein Namenstag ist (denn Geburtstag feiere ich ja schon wieder in Deutschland) und herausgefunden haben, dass der am 24.04. sein wird, werden diese meine deutschen Wunschtitel, zu denen ich dann ganz alleine ein Doofi-Solo tanzen kann. Denn praktischerweise habe ich ja nächste Woche auch Jugendaustausch mit vielen lustigen Leuten und da kann man dann eine Party feiern. Vielleicht denke ich mir sogar eine Doofi-Choreografie für die Teilnehmer aus. Egal, das wird bestimmt spitze. Außerdem hat es irgendwann auf der Autofahrt von draußen her total nach Jasmin geduftet, das war schöööön.

Vielleicht habe ich ja schon erzählt, dass auf Zypern alle Männer zwei Jahre Armee machen müssen nach der Schule und sich dem zu entziehen ist äußerst schwer. Was mindest genauso interessant und fast schon doppelt so blöd ist, dass man nicht nur Menschen rekrutieren kann, sondern auch ihreFahrzeuge im Kriegsfall. Da rufen die dich dann nicht an und sagen: „Wir möchten ihren 19 jährigen Sohn zum Wehrdienst einziehen.“ Das heißt dann „Sie besitzen eine Suzuki GW 250? Die wird zum Armeedienst verpflichtet.“ Entgehen kann Mann dem nur, indem man das Gerät auf Frau, Freundin, Mama oder Oma umschreiben lässt. Aber wer will das schon?

Am Samstag, habe ich dann länger geschlafen und bis nachmittags am Programm für den Austausch gearbeitet und habe hinterher mit Caroline einen Spaziergang zu einem alten Versteck der EOKA Kämpfer gemacht. Es ging manchmal ganz schön bergauf, zum Glück hat die Sonne kaum geschienen, sodass einem nicht ganz so heiß wurde. Unterwegs haben wir über das EVS geredet und Erfahrungen über Jugendaustausche ausgetauscht (das klingt jetzt aber doof). Sie hat ja schon bei vielen mitgemacht und auch eigene organisiert, auch hier in Agros und hat daher schon mehr Erfahrung als ich und konnte mir viele Tipps geben. Auf dem Weg zum Versteck haben wir eine richtig große Müllhalde entdeckt, da braucht man sich nicht wundern, warum man auf den Straßen von Agros nie Sperrmüll oder sowas rumliegen sieht. Ganz toll.

Am Sonntag gab es am Morgen natürlich wieder eine Messe und es wurde immer noch kräftig geböllert. Zum Mittagessen waren Caroline und ich bei Loukas eingeladen, das heißt ins Haus seines Großvaters, wo alle Cousinen und Cousins und Onkel und Tanten usw da waren. Es waren insgesamt bestimmt mindestens 25 Leute (habe leider nicht nachgezählt), es gab Souvla, mal wieder Hoden, aber diesmal mit Darm umwickelt, Leber und Niere, Nudelaufläufe, grüne Salate mit Ei oder Hühnerfleisch, gefüllte Weinblätter, Ofenkartoffeln, Makaronia usw. Traditionellerweise ist man zu Ostern, noch bevor das Fleisch vom Souvlagrill durch ist, einige noch nicht ganz durchgebratene Häppchen davon. Nach diesem Essen sind wir mit Loukas zu Nikolas Familie gefahren und haben dort die Babys von Nikolas Bruder Vasilis und das von Giorgos Schwester Dimitra bewundert. Später kam dann auch noch Andreas mit seinem Baby. Also quasi eine Babyparty. Übrigens gibt man in Griechenland und auf Zypern den Kinder immer den Namen der Großeltern. So heißt zum Beispiel das Baby von Vasilis „Dimitris“, benannt nach dem Vater von Vasilis Frau.

Wir mussten dort auch noch Nachtisch essen und hinterher waren Caroline und ich so voll, dass wir ganz müde und träge wurden. Aber wir mussten auch noch zu den Osterspielen, die sind ebenfalls Brauch hier. Die Gemeinden in den Dörfern veranstalten große Spiele wie Schubkarrenrennen oder Sackhüpfen, Eierlauf und so weiter, bei denen dann auch die Gewinner mit einem Pokal gekürt werden. Das ganze hat sich unheimlich in die Länge gezogen, weil natürlich alle zu spät waren, aber das war nicht so schlimm. Caroline und ich haben bei einem Parkour mit gemacht, den man mit dieser Brille bewältigen muss, die Abstands und Größenverhältnisse verfälscht, so als ob man betrunken wäre. Gewonnen habe ich allerdings nicht, ich habe wohl nicht genug Übung im betrunken sein.

Um 24.00 sind wir dann auf eine Party ins „escape“ gegangen (Disco, Club, Restaurant, oder je nachdem was man darin machen möchte). Dafür haben wir vom Besitzer Andru aus Rumänien VIP Karten bekommen, sodass wir den Eintrittspreis von 15 Euro sparen konnten. Um zwei Uhr kam dann auch endlich der Hauptakteur des Abends, ein bekannter zypriotischer Sänger, dessen Namen ich vergessen habe. Der sang dann ungefähr eine Stunde und dann gab es noch traditionellere Tanzmusik und Caroline und ich dachten schon, dass es jetzt langsam Zeit wäre zu gehen, aber dann haben wir uns doch noch aufgerafft und ein bisschen getanzt und dann kam auch noch die gängige Party-House-Musik und dann sind wir doch noch bis 5.30 geblieben, zum Schluss waren nur noch 10 Leute oder so da und wir hatten mit ein paar Freunden die ganze Tanzfläche für uns alleine, das war toll. Und ich glaube, in mir steckt doch mehr Raver als ich dachte, zumindest mehr Raver als Schuhplattler oder Sirtaki. :D Habe dann auch von 6 Uhr bis 15.00 geschlafen. Heute kommen auch Leute aus Thessaloniki zu einem Austausch her, aber mit denen werde ich nicht so viel zu tun haben.

Gestern am Abend sind die Menschen aus Thessaloniki angekommen und wir zusammen mit ihnen Abendbrot gegessen im Restaurant von Nicholas Eltern. Die sind alle ziemlich nett, es sind auch ein paar dabei, die ganz gut Deutsch sprechen. Eine junge Frau studiert klassischen Gesang und der Vize-Bürgermeister von dem Stadtteil aus dem sie alle kommen singt auch wie ein Opernsänger, wirklich toll. Der hat bestimmt drei oder vier Lieder geschmettert, in einer Lautstärke. Nachdem dann alle mal ein Lied gesungen hatten, mussten Caroline und ich natürlich auch ein Lied singen. Am besten ein Volkslied sagte man. Das ist nur nicht so einfach, da sie ja aus Österreich kommt und da unterscheiden sich die Kulturgüter leicht. Also haben wir dann „Weißt du wie viel Sternlein stehen“ gesungen. Viel lustiger war es dann allerdings, als wir noch diese äußerst markante Stelle in diesem wohlbekannten Lied gesungen:

„LEBT DENN DER ALTE HOLZMICHEL NOCH, HOLZMICHEL NOCH, LEBT DENN DER ALTE HOLZMICHEL NOCH, HOLZMICHEL NOCH? JAAAAAAAAAAAAAAAA, ER LEBT NOCH, ER LEBT NOCH, ER LEBT NOCH, JAAAAAAAAAAAAAAA ER LEBT NOCH, ER LEBT NOCH, STIRBT NICHT!“ Und wir haben auch nicht vergessen, ordentlich zu schunkeln und zu grölen.

Wir haben dieses wunderschöne Stück deutschsprachiger Kultur nicht etwa ausgesucht, weil wir keine Volkslieder kennen, aber es war das einzige, was wir beide kannten. Auf jeden Fall hat es viel Erheiterung hervorgerufen. Heute Abend veranstalten die Griechen einen griechischen Abend und da singen wir dann vielleicht was schöneres. Mir ist ja spontan eine ganze Menge Sachen eingefallen: Drunten in der grünen Au, Zu Grünewald im Isartal, Kein schöner Land, Im Walde da wachsen die Beeren, Horcht was kommt von draußen rein…Das ganze Programm. Das ganze Gedudel. Vielleicht singen wir auch Männer sind Schweine. Oder Mensch von Herbert Grönemeyer, davon gibt es immerhin eine griechische Version. So viele schöne Sachen. Und was auch schön ist, dass die Leute aus Thessaloniki gaaanz viel Geduld haben, schön langsam und deutlich mit uns Griechisch zu sprechen, sodass wir ihnen auch antworten können.

Abends sind dann noch einige in Andreas Bar gegangen, vor allem die Zyprioten, weil sie am Ostermontag immer die Nacht durchmachen zum Dienstag, weil es in der Früh um fünf eine Wanderung um und durch das ganze Dorf gibt, bei dem wirklich fast alle Bewohner des Dorfes mitmachen, egal ob jung oder alt.

Das ganze dauert etwa 4 Stunden, wird begleitet von gnadenlosem Geböller, bis die Ohren schmerzen. Auf dem Weg kommen alle, die nicht bei der Wanderung mitmachen aus ihren Häusern und bieten in ganz schmucken Silbergefäßen Rosenwasser, Süßigkeiten und Weihrauch an, oder stellen Essen und Trinken bereit. Danach gehen dann viele noch zum Gottesdienst oder nachhause und schlafen eine Runde. Caroline und ich haben nur den zweiten Teil mitgemacht, weil uns fünf Uhr ein bisschen früh war, sieben Uhr hat uns völlig gereicht.

Jetzt muss ich noch ein bisschen am Austauschprogramm arbeiten,

Grüßchen,

Elisa

Montag, 2. April 2012

02.04.2012

2. April 2012 - Um was kümmern sich die Menschen hier?

Diesmal möchte ich, meine lieben Mitmenschen, ein Frage aufgreifen, die mir die liebe Dana von meiner Sendeorganisation, dem CGE Erfurt gestellt haben. Was beschäftigt die Menschen hier und was nicht? Was kommt mir da in den Sinn? Wie ist Zypern? Was ist Zypern?

Vielleicht haben sich viele von euch Zypern als einen gebeutelten Staat im Süden Europas umgrenzt von Krisengebieten vorgestellt, nur mäßig wohlhabend, oder gar ein „bisschen arm“. Das kommt daher, das die meisten von uns sich so gut wie nie mit Zypern beschäftigt haben, denn es ist ja weit weg und vielleicht hat man noch gehört, dass es geteilt ist, aber da hört es dann auch schon auf.

Nun gut. Zypern ist ein Land, in dem es, genauso wie in Deutschland auch, alle „Schichten“ gibt. Es gibt die ganz Reichen, die sich sogar ein Haus in Naturschutzgebieten bauen können, obwohl dort nicht mal auch nur an irgendeiner Stelle ein Mülleimer steht. Also die, die sich vielleicht eine 3000 Mann Hochzeit ohne Kredit leisten können. Dann gibt es noch die relativ wohlhabenden, zu erkennen an ihren Autos, den Plätzen, an denen sie leben (Stadtzentrum Nikosia, Strandgebiete) und natürlich daran, wie sie sich kleiden. Dann gibt es noch „die Mittelschicht“ und darunter noch die Geringverdiener, Einwanderer (vornehmlich Philippiner, Rumänen und Asiaten), die oft als Putzkräfte oder Hotelangestellte arbeiten und letztendlich auch jene, die in Armut leben. Erst kürzlich war ein Artikel in der Zeitung, in dem eine rührende Geschichte beschrieben war, wie ein Schuljunge mit einem Klassenkameraden sein Schulbrot sein über zwei Monaten teilte, bis die Lehrerin es merkte und die Geschichte dann irgendwie niedergeschrieben wurde. Die Eltern des einen Achtjährigen konnten für ihren Sohn wohl nicht einmal mehr Schulbrot zubereiten, so wenig Geld hatten sie. Als das sein Freund merkte und über die finanzielle Not aufgeklärt wurde, bat der seine Mutter, sein Schulbrot doch bitte in zwei Hälften zu teilen, weil das große Brot so unhandlich wäre. Und das ging dann eben längere Zeit so und zum Schluss gab es ein Lob von der Lehrerin über diesen Akt der Freundschaft und Nächstenliebe, der doch so ganz würdevoll von Statten ging. Als mir Maria aus der Küche erklärt hat, worum es ging, musste Anna, auch vom Altersheimpersonal, die mir immer sagt, wie lieb sie mich hat, anfangen zu weinen. Das hat mich sehr gerührt, mehr als die Geschichte von dem Jungen, der kein Schulbrot hat, die da so ganz unkommentiert und klein in der Ecke dieser großen Zeitung stand. Zyprioten können sehr viel, viel, genug, oder zu wenig Geld zum Leben haben, das ist wie bei uns auch, aber auch bei ihnen wird die Einkommensschere immer größer. Natürlich ist Zypern keine Weltwirtschaftsmacht, obwohl es einen Versuch wert wäre, ein Halloumi-Monopol einzuführen, aber immerhin haben sie genug Geld um in den Schulen Geld für die armen Griechen zu sammeln, genauer gesagt, für die Kinder in den Schulen, die sich kein Essen mehr leisten können oder direkt für Schulen, weil nicht mehr genug Geld da ist, um die Lehrer zu beschäftigen. Das geht den Zyprioten auch durch den Kopf.

Sie haben denselben Markenwahn (wenn manchmal nicht sogar noch schlimmer) wie viele in Deutschland und sie haben den Autowahn. Meine Griechischlehrerin hat mir erzählt, dass sie eine Zeit lang auf Arbeit, zum Gymnasium, mit dem Fahrrad gefahren ist, weil der Weg nicht so weit und die Kosten wesentlich geringer waren. In Griechenland soll das durchaus üblich sein, wie in Deutschland. Aber von ihren zypriotischen Kollegen oder Freunden wird sie wohl belächelt, weil auf Zypern meist nur Einwanderer, alte Leute, Jugendliche ohne Führerschein und Menschen vom unteren Rand der Mittelschicht mit Bus oder Fahrrad fahren. Daher auch die großen Umweltbelastungen durch Autoabgase.

In meinem Dorf wurde letzte Woche Geld gesammelt für einen Jungen von hier, die an einer schweren Herzerkrankung leidet und in Athen behandelt werden muss, weil er sonst stirbt. Seine Mutter aber, die alleinerziehend ist, kann diese Kosten nicht aufbringen, und so sind im ganzen Dorf Aktionszettel rumgegangen und Geld wurde gesammelt und jetzt hoffen natürlich alle auf gute Nachrichten.

Was die Zyprioten eher weniger interessiert ist zum Beispiel ihr Müllproblem. Vielleicht habe ich schon geschrieben, dass es hier auf Zypern noch zwei große Mülldeponien gibt, die von der EU als gesundheitsgefährdend eingestuft wurden und deren Beseitigung, unter Drohung mit dem EU-Gerichtshof, gefordert wird. Mülltrennung ist den Menschen hier fremd und Recyceln auch. Plastikflaschen und Metalldosen ohne Ende, die Plastikbecher für die Wasserspender, die bei uns normalerweise in Drogeriemärkten oder bei Karstadt oder so stehen, werden auch in rohen Massen verbraucht, in meinem Altersheim zum Beispiel pro Tag geschätzte 100 Stück, das macht in der Woche 700 und im Monat dann ungefähr 2100??? Ich weiß, dass solche Rechnereien doof sind, aber anstatt einfach die Gläser stehen zulassen und nachzufüllen und sie dann von den doofen EVS-Volontären abspülen zu lassen, produziert man lieber eine anständige Menge Müll. Plastikbecher sind hier das GANZ große Rennen.

Am 25. März hatten wir hier mal wieder eine Parade mit militärischem Schritt und Trommeln, da an diesem Datum im Jahr 1821 die griechische Revolution begann.


Aus diesem Anlass schwingt man hier mal wieder Fähnchen. Diesen Samstag gab es abends einen Fackelumzug, auch mit Trommeln und danach haben gab es in den Bergen kleine Feuer. Das Ganze soll an den Beginn der Revolution gegen die britische Kolonialmacht am 1. April 1955 erinnern, der von der „nationalen Organisation zypriotischer Kämpfer“ (EOKA) angeführt wurde.

Dieses Wochenende hatten wir auch ein Vortreffen mit den Gruppenleitern für unseren nächsten Jugendaustausch vom 20. bis zum 30. April. Wir haben mit ihnen das Tagesprogramm, die Reisekostenrückerstattung und grundsätzliche Dinge besprochen. Am Abend waren dann auch noch, außer einem, alle EVS Freiwilligen aus Zypern in Agros und alle haben an dem Fackelumzug teilgenommen und hinterher gab es dann bei den Feuern auch noch eine Party, natürlich mit Souvlaki. Bei den Besprechungen wurde mir dann nochmal klar, dass das schon eine große Verantwortung für mich sein wird, ungefähr 50 Leuten jeden Tag zu sagen, was wir jetzt machen, dass sie zu der und der Zeit da und dort sein müssen, vor allem wenn man bedenkt, dass der Großteil von ihnen älter und wahrscheinlich auch erfahrener sein wird als ich. Aber wenn auch nur die Hälfte der Teilnehmer so engagiert ist wie die Gruppenleiter, dann wird da sicherlich eine schöne Sache draus.


Im Griechischunterricht sind wir jetzt gottseidank endlich bei den Vergangenheitsformen angelangt, das wurde auch langsam mal Zeit. Ich muss sagen, dass es mir immer noch schwerfällt die Gespräche der Leute zu verstehen, weil der zypriotische Dialekt doch relativ schwer ist, wenn man eigentlich „reines“ Griechisch lernt. Für vieles haben sie hier andere Wörter als im normalen Griechischen, zum Beispiel für „nimm!“. Auf Griechisch heißt es „Pare!“ und im zypriotischen „Piaste!“. Das ist ungefähr so, wie wenn wir „Broiler“ und „Brathähnchen“ meinen. Deswegen ist es auch schwer für die Griechen, die hierherkommen, die verstehen manchmal auch so gut wie gar nichts, wenn die Leute hier superschnell in ihrem Dialekt daherreden.

Demnächst kann man mich dann wieder mal in Deutschland sehen, denn am Donnerstag fliege ich von Larnaka nach Leipzig um zu Ostern Urlaub in Erfurt zu machen und ich freue mich schon total, alle wiederzusehen. =) Und das besonders Coole daran ist, dass ich Doppelostern haben werde, einmal in Schland und einmal auf Zypern, weil das orthodoxe Ostern vom 13. April bis zum 15. Gefeiert wird und ich komme natürlich pünktlich zum 12. April nach Zypern zurück. Also richtig clever. Und dann kann ich auch schon einiges von meinen Wintersachen wieder mit nachhause nehmen und deutsche Spezialitäten mit nach Zypern nehmen (Knusperflocken finden überall großen Anklang, Käse oder zum Beispiel Rotwurst und Milkaschokolade, Knackwurst, Kochkäse, Baumkuchen, Waldmeistergetränke und so weiter…).

Abgesehen davon: Der schöne schöne Frühling kommt. Es duftet nach Blümchen und warmem Regen und bald wird alles weiß, zartrosa, pink und gelb und grün sein.


Bis bald

Eure Elisa

Dienstag, 13. März 2012

02.-12.03.2012

02. – 12. März 2012 – Schokotorte und Dust in the Wind

Am Samstag war ich bei der Geburtstagsparty eines unserer Volontäre in Limassol. Das war eine lustige Angelegenheit. Wir haben gegrillt, es war nämlich 1a Frühlingswetter, lauter lecker Zeug gegessen, es gab sogar original Sangria (weil Volontär spanisch) und einen Spielplatz belagert. Später am Abend haben wir dann noch eine Gruppenmassage in der Reihe gemacht, weil irgendwer sich über Rückenschmerzen beklagt hat, ich habe den EVS-Freiwilligen den Eye-of-the-Tiger-Tanz aus Rumänien beigebracht, und als es an die Zeit kam, die Schokotorte anzuschneiden, entschloss sich unser Geburtstagskind, dass es doch viel lustiger wäre, sich den Kucheh gegenseitig ins Gesicht zu schmieren. Zugegebenermaßen war es das auch. Und klebrig.

Ansonsten kann man den Frühling schon riechen. Die Mandelbäume fangen zu blühen, an meinem Fenster kondensiert nachts das Wasser nicht mehr und ich muss keine Strickjacke mehr zum Schlafen anziehen.

Jetzt ist es ja schon die Vorosterzeit, das heißt, dass die Orthodoxen schon wieder fasten, diesmal 40 Tage vor Ostern. Im Kindergarten haben wir dazu eine traditionelle Figur gebastelt, der man in jeder der sieben Wochen vor Ostern einen Fuß abschneidet.

Außerdem ist die Fastenzeit auch Chalwa-Zeit, diese klebrige Süßigkeit mit Mandeln und Pistazien und Honig, nicht so ganz mein Fall, aber es gibt auch einen extraordinären Kuchen, den ich mehr zu schätzen weiß. Die Zyprioten wissen eben wie man das macht, wenn schon keine Milch und kein Käse und kein Fleisch, dann wenigstens Chalwa. Am Tag, an dem das Fasten vor Ostern beginnt, gibt es hier außerdem traditionell überall ein großes Fleischgelage, jeder Beamte, jeder Postangestellte und natürlich auch jede Familie veranstaltet ein Souvlaki-Grillen. Wobei viele von ihnen das Fleischessen vor Ostern ohnehin fortsetzen. Desweiteren kann man von nun an in unserer Schwimmhalle das russische Nationalschwimmteam für die Special Olympics beim Trainieren beobachten, wirklich wie die Fischlein.

Dieses Wochenende (09. bis 11. März) war ich in Nikosia. Am Freitag hat mich Vasilis in die Stadt gefahren, wo mich Nina (deutsche Freiwillige dort) abgeholt hat und dann hat sie mir ihren Arbeitsplatz gezeigt, ein schönes altes, aber restauriertes Gebäude, sowas wie ein Kulturverein komplett in Ikea. Am Abend fand dort das Treffen der allfreitaglichen Tanzgruppe statt, die die traditionellen zypriotischen Tänze üben, dabei durfte ich dann auch mit machen. Ich glaube, ich habe ja schon erzählt, dass die zypriotischen Tänze nicht so einfach sind, was hauptsächlich am wechselnden Rhythmus liegt. Aber das dort hat meine Vorstellungen noch übertroffen, ich hätte nie gedacht, dass langsame Tänze derart schwierig sein können! Es hat Spaß gemacht, aber von all den Menschen dort, war ich bestimmt der größte Trampel. :D Bei Nina zuhause (sie wohnt mit Natacha aus Portugal und Anca aus Rumänien zusammen) haben wir dann Indisch gekocht und Eierlikörkuchen für den nächsten Tag gebacken. Da nämlich haben wir an einem Workshop teilgenommen, der sich Word Career nennt. Veranstaltet wurde er von unserem Torten-Geburtstagskind Armando. Der Hauptinhalt des Kurses war eine Straßenaktion, bei der man an einem gutbesuchten öffentlichen Platz eine mehr oder weniger provokative oder interessante aktuelle Frage gut sichtlich aufhängt, in unserem Fall „Was ist eine Frau?“ (siehe Frauentag). Man beginnt mit der Postervorbereitung erst auf dem öffentlichen Platz, um Aufmerksamkeit zu erregen, und tatsächlich sind da schon einige Leute stehen geblieben. Dann hängt man die Frageposter auf und macht etwas kleinere Poster, auf die man seine eigene Antwort schreibt, zum Beispiel „Eine Frau ist ein menschliches Wesen mit Reproduktionsfunktion und Gehirn.“ Was sinnvolles oder was lustiges, eben die eigene Ansicht, die eigene Antwort. Wenn man das gemacht hat, hängt man auch diese Poster auf. Da die Plakate bunt sind, und alle nah beieinander hängen erregen sie Aufmerksam keit, das hat auch bei uns gut funktioniert. Die ersten Leute sind näher gekommen und sich die Poster angeschaut. Dabei bilden sich „Zonen“. Die Leute,die nur vorbeigehen und sich das ganze nicht mal anschauen. Die Leute, die etwas näher dran stehen und noch nicht wissen was das soll, ob man da was bezahlen muss und noch etwas unsicher sind. Und dann gibt es noch die, die ganz nah an den Postern dranstehen und die Poster lesen. Diese letzten beiden Gruppen kann man nach einiger Zeit und wachsender Sicherheit befragen, das heißt einzelne Personen. Normalerweise fragte ich die Leute, was sie denn denken was eine Frau ist und dann haben sie mir eben geantwortet. Durch Fragen an Detailstellen, die ungewöhnlich erscheinen und nachhakenswert sind, kann man dann entdeckende Fragen stellen, die aber nicht in ein sokratisches Gespräch münden sollen. Es geht bei diesen Aktionen nicht darum, die Leute von etwas zu überzeugen, sondern auf eine Frage Antworten zu bekommen von Leuten. Man gibt ihnen eine Möglichkeit ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen, möglicherweise über etwas, über das sie vorher noch gar nicht so viel nachgedacht haben. Man fragt also die Leute nach ihrer Antwort, fragt sie nach Vornamen und Alter, und ob man ihre Antwort an die Plakatwand schreiben darf. Und alle, die wir befrag haben hatten nichts dagegen. Nach einer Stunde hatten wir zusätzlich zu unseren Antworten noch 20 andere. Das war für uns als Gruppe schon ein kleiner Erfolg, dafür dass wir das das erste Mal in Zypern gemacht haben, und außer für Armando generell für alle das erste Mal. Wir hätten nie damit gerechnet, dass sie viele Menschen sich dafür interessieren. In zwei Wochen, wollen wir das Ganze mit einer etwas schwierigeren Frage wiederholen, und die Schreibaktion zeitlich etwas ausdehnen, unser „entdeckendes Fragen“ ein bisschen verbessern. In Erfurt will ich das dann auch mal ausprobieren.

Außerdem war der Tag an sich schon genial, es waren etwa 20° in der Sonne und zwar gab es Sonne satt. Nina und ich haben uns wären der Mittagspause im Workshop gebräunt.^^ Im Gegensatz dazu haben sich die ganzen Südländer in den Schatten gesetzt und Wetten darauf abgeschlossen, dass Nina und ich uns in die Sonne setzen. Wir hatten auch ein ganz tolles Mittagsbuffet, zu dem jeder was mitgebracht hat. Also alles in allem ein sehr gelungener Tag. Am nächsten Tag sind wir dann mit Natacha nach Geri gefahren, das ist ein Dorf in der Nähe von Nikosia. Dort haben wir einen Künstler besucht, den Natacha in ihrer Dokumentation über Generationen und ihre Geschichten in Zypern zeigen will. Er beschäftigt sich mit der Geschichte Zyperns und hat die Front seines Hauses vollgestellt mit einfachen bunten Gegenständen, Skulpturen, Schildern, was zusammen ein einzigartiges, farbenreiches mit Jahreszahlen und Ereignissen gespicktes Abbild der Geschichte des Landes ergibt. Dort mussten wir auch Kuchen essen und Kaffeetrinken.

Zivania mussten wir auch trinken, und zwar im Museum des Dorfes, das soweit ich das beurteilen kann, eines der interessanteren Museen in Zypern ist. Es ist ein sehr altes Haus mit vielleicht 3 Meter hohen Decken und tradtionellen Möbeln, Dekorations- und Alltagsgegenständen, Schuhen, Tellern, Kleidern, Handwerksgeräten, Hochzeitsschmuck, Nummernschildern, Möbeln usw. Das schöne ist, dass alles sehr liebevoll und mit Sammelleidenschaft zusammengetragen ist und es viele Geschichten zum Haus zu hören gibt. Es gab auch medizinische Gegenstände zu sehen unter anderem von Jena Glass. Überall findet man das. :D Sehr schön fand ich die wächsernen Brautdiademe, deren Größe den Wohlstand der Familie zeigten. Und endlich konnte ich auch mal sehen, wie diese gruseligen Wachspuppen aus den Kirchen hergestellt werden. Hinterher, wi e könnte es auch anders sein, wurden wir zum Mittagessen bei der Familie des Künstlers eingeladen. Danach sind wir dann nach Hause gefahren und ich mit dem Bus zurück nach Agros.

Desweiteren dürfen wir gerade ein Wetterphänomen beobachten, dass sich auf Griechisch „skóni“ nennt – Sandwinde aus der Sahara finden ihren Weg nach Zypern, deswegen sieht es jetzt immer ein bisschen trüb bis neblig aus, manchmal soll es sogar richtige Sandstürme geben.

Soviel dazu! Gute Nacht!

Elisa

22. bis 29.02.2012

22. – 29. Februar 2012 – Lovely Romania

Am zweiten Tag sind wir alle am Morgen in eines der Gymnasien Galatis gegangen, wo wir unser Projekt vorgestellt haben und den anwesenden Schülern ein bisschen was über die vielfältigen Möglichkeiten erzählt haben, an Youth in Action –Programmen teilzunehmen oder sie zu organisieren. Am Abend haben die Rumänen ihr Land vorgestellt inklusive alkoholischer Getränke und einiger Schokolade, -Käse und Wurstsorten. Im Nachhinein kann ich sagen, dass das rumänische Bier, das es praktischerweise auch in Drei-Liter-Flaschen zu kaufen gibt, mir viel besser schmeckt als das zypriotische oder auch das deutsche. Es schmeckt so gut, dass ich dieses Wochenende im Bus zehn Minuten lang überlegt habe, ob ich zwei offenrüchige rumänische Alkoholiker darauf anspreche, ob wo sie dieses Bier in ihren Tüten gekauft haben. Um zurück zur eigentlichen Geschichte zu kommen – wir haben Tänzchen gelernt, dieses Mal habe ich nämlich bei jedem einzelnen Tanz gleich mitgemacht und es war suuuper! =)

Am 23.02. hat man uns örtliche Umweltorganisationen vorgestellt, was nicht ganz so spannend war, so dass wir uns die Zeit damit vertrieben haben, darüber nachzudenken, ob die Hochglanzbroschüren dieser Orgas wohl umweltfreundlich sind. Wie auch immer, klar wurde, dass der Müll das wohl größte Problem in Galati ist, Mülltrennung ist eher ein neuer Trend und viele giftige Stoffe werden aus Fabriken direkt in die Donau geleitet. Mithilfe von EU Geldern wurden die Müllhalden schon modernisiert, um den Untergrund zu schützen und es gibt Müllpress- und Sortierungsanlagen. Haha. deutsche Wörter, was ein Spaß. Müllpressanlage. Haha. Um das Thema zu komplettieren, haben wir uns am Abend gegenseitig über die Umweltlage in unseren Homecountries aufgeklärt mit der Übereinstimmung Müll. Zypern und Griechenland haben dieses Jahr sogar schon eine Verwarnung gekriegt wegen ihren umweltschädlichen Müllhalden und können im Fall des Falles verklagt werden vom EU-Gerichtshof, wenn sie die übrigen Müllhalden nicht beseitigen. Außerdem haben wir noch mittels Brainstorming (wo ich auch eine Gruppe geleitet habe und bei der Auswertung beteiligt war) versucht herauszufinden, was wir am 27.02. bei unserer Straßenaktion machen wollen. Am Abend wieder Partei! Es gestehen lustige Dinge hier: Menschen rennen mit dem Megaphon rum und wecken andere schlafende Menschen auf, stecken ihnen ihre Plüschschweinchen ins Gesicht und machen Fotos davon, schmeißen Rauchbömbchen, Leute, die unnötigerweise durch Fenster klettern, man tanzt wie in der russischen Walddisko, die es übrigens wirklich gibt. Einfach mal im Internet nach forest, russian und raver suchen.

Am nächsten Tag haben wir unser Werbevideo geplant, dass Umweltbewusstsein fördern sollte. Weil wir genug dilettantische Versuche gesehen hatten und uns was professionelleres nicht zugetraut haben, entschieden wir uns für etwas, das die Polen vorgeschlagen haben. Einen Lip-Dub (Lippen-Synchronisation) zu einem eingängigen Song, zu dem wir ein Video machen, dass unsere Nationalitäten repräsentiert und vielleicht im Internet ein bisschen Aufmerksamkeit anzieht. Wir entschieden uns für den Song „Eye oft he tiger“, der zum Ohrwurm des Austausches wurde. Danach haben wir noch über die Idee für die Straßenaktion entschieden, ganz europäisch mega demokratisch. Auch da habe ich als Leiter mitgewirkt, bin schon ein bisschen stolz auf mich, das merkt man vielleicht. Haha^^

Wir erwählten uns, einen Tanz zu kreieren mit Teeausschank, umweltunfreundlichen Flyern und Plakaten in Rumänisch und Englisch und mit Live-Gesang zu Eye of the Tiger. Am Abend waren auch noch zwei von unseren Teilnehmern, ein Italiener (Walter sein Name, bitte was???) und Didem, eine Türkin im Lokalfernsehen zu bestaunen, wie sie etwas über unser Projekt erzählt haben. Später sind wir dann noch in einen Club gegangen, wo es freien Eintritt gab, coole Musik und viel Platz zum Dänzen, das war super dort. Was mir von den anderen kukturellen Abenden noch in Erinnerung geblieben ist: Eine äußerst lehrreiche Italienischstunde in Sachen Gestik und Zungenbrecher. Dank dieser Unterrichteinheit kann ich jetzt ohne Worte wiedergeben, dass ich hungrig bin, dass das Essen lecker war, dass jemand homosexuell ist, dass etwas „unter dem Tisch“ abgewickelt wird, dass etwas „sooooo lange“ her ist, dass jemand verrückt ist, dass ich jemandem das Hinterteil aufreißen werde und so weiter. Eben alles, was wichtig ist. Außerdem haben wir den offiziellen polnischen Hochzeitstanz gelernt, wobei ich mit einem von den Polen die erste in der Reihe war, sehr aufregend.

Von den Bulgaren haben wir rot-weiße Glücksarmbänder bekommen, die man tragen muss, bis sie abfallen. Die Türken haben uns auch einen Hochzeitstanz gezeigt, der richtig Spaß macht. Wir haben den anderen ein traditionelles zypriotisches Lied beigebracht „Tessera tsiai tessera“, das kam ziemlich gut an.

Am 25. Haben wir erst 12 Uhr angefangen und angefangen, unseren Lip Dub zu drehen, wir haben nur 5 oder 6 Aufnahmen gebraucht, dann war es im Kasten. Und 5 Stunden später war das Video auch schon fertig bearbeitet. Meine Gruppe und ich haben Zypern mit Flagge, traditionellem Tanz und traditioneller Hochzeit präsentiert, Griechenland sich mit einem wahrhaftig göttlichen Gott – was haben wir gelacht – Italien mit Romanzen und einem „La Pimpa“^^.


Rumänien natürlich mit einem Vampir. Wenn ich das Video runterladen kann, stelle ich es gleich ins Internet. Abends haben wir uns dann noch für die Straßenaktion vorbereitet, ich habe mit Tanya, einer Türkin, die Choreografie ausgearbeitet, die wir vorführen wollten, schön energetisch mit Boxen und auf die Knie klatschen und so. Davon hatte ich noch, dank meines Enthusiasmus 3 Tage lang blaue Flecken. Die anderen haben Slogans entwickelt, den Tanz gelernt und Blödsinn gemacht. Nachts waren wir dann in einem Irish Pub, wo die Musik zu laut war und eine von unseren kleinen zartne Italienerinnen in bewundernswerten 30 Sekunden 0,3 Liter Bier in ihren zarten Körper geschüttet hat, und ich dachte schon, dass ihre Händchen das Glas nicht halten können.

Am Öko-Tag, dem 27.02. haben wir uns am Morgen in zwei Gruppen gespalten. Mindestens zwei Leute von jeder Gruppe gingen zu einer Konferenz über Galatis Umweltsituation mit dem Vizebürgermeister und anderen Persönlichkeiten. Eigentlich sollten viele Menschen da sein und ein bisschen Presse, aber leider kam keiner außer unseren Teilnehmern. Währenddessen haben die anderen die Straßenaktion vorbereitet, ich habe die Slogan-Poster-Malerei geleitet und als alle wieder da waren, haben wir alle zusammen den Tanz geübt, inklusive unserer mit Schaufeln ausgerüsteten Männerschaft, die einen extra-männlichen Tanz bekommen hatten. Das war schon alles ziemlich cool. Als wir mit üben fertig waren, sind wir dann zum Austragungsort gegangen, einer zentralen Einkaufspassage und haben dort unsere Poster gezeigt, den Tanz vollführt, tee ausgeschenkt und Flyer verteilt. Und wir haben den Tanz sogar ein paar anderen Mädchen von dem Gymnasium beigebracht und ein paar ernsthaftere Gespräche geführt. Insgesamt haben wir mehr Aufmerksamkeit bekommen als gedacht, sogar einen eigenen Artikel in der Zeitung haben wir bekommen.

Um es zusammenzufassen, kann ich sagen, dass ich eine große große Menge an beeindruckenden, inspirierenden Menschen getroffen habe, von denen ich jetzt glücklicherweise einige zu meinen Freunden zählen darf (das ist das allerallerwichtigste) und da es allen anderen genauso geht, wissen wir eben auch alle nicht, wohin jetzt zuerst reisen sollen. Italien, oder Polen, oder Istanbul? Ich hatte ganz unglaublich viel Spaß.

Ich hatte jede Nacht nur vier Stunden Schlaf, viele Tränchen verdrückt, als ich mich nach und nach von allen meinen neuen Freunden verabschieden musste, habe übermäßig viel gelacht und eine ungewöhnliche Freundschaft mit der Gruppe der Polen geschlossen, viel getanzt, unerwartet viel Deutsch sprechen können/müssen, habe wieder mal was über andere Kulturen und Mentalitäten gelernt, ein bisschen was mehr über die Organisation von Austauschen gelernt, meine Leitungsfähigkeiten ein wenig weiterentwickelt, das erste Mal 1000% aktiv mitgewirkt und gelernt, wie man einen Online-Check-In macht.

Ich habe gesehen die größenwahnsinnigen Gebäude Rumäniens und viel Schnee und mal wieder ein H&M gesehen, viele unglaublich viele Sexshops, aber auch das charmante Klein-Paris mit den schönen schwarz-goldenen Uhren, ich habe rumänischen Apfelkuchen probiert und meine letzten Lei für eine 2,5 Liter Bierflasche und eine Taxifahrt ausgegeben.


Klingt das nach mir?

Freitag, 2. März 2012

21. Februar 2012


21.02.2012 - Erster Tag in Rumänien

Obwohl wir heute früh den Zug nach Galati verpasst haben, sind wir 16 Uhr doch noch heil angekommen nach 4 ½ Stunden stickiger Busfahrt. Den Bus haben wir auch gerade so noch bekommen, weil die Taxis spät dran waren. Zum Glück konnten Andreas und Donna, die zuerst losgefahren waren, den Busfahrer überreden, auf das zweite Taxi zu warten. Bukarest ist übrigens eine interessante aussehende Stadt und wird nicht um sonst Klein-Paris genannt, viele Gebäude sehen genauso aus wie in Paris. Dazwischen stehen große Überbleibsel der schlechteren Zeiten rum, die natürlich wesentlich weniger charmant wirken. Aber dafür wirkt es auch eben interessanter und nicht ganz so glatt wie Paris. Die Landschaft, die wir durchquert haben, liegt ganz in Schnee, es sieht echt zauberhaft aus. In Galati angekommen, haben uns dann Bartek aus Polen und ein Rumäne, Trian abgeholt.

Auf der Fahrt zum Hotel haben wir die Donau gesehen, halb eingefroren und dahinter ein paar Berge mit Bäumchen, das sah aus wie eine Zauberlandschaft in Puderzucker.

Ein netter Zug von den Projektleitern war es, mit dem Beginn der Aktivitäten auf unsere Ankunft zu warten. Eigentlich sollten die nämlich schon heute früh um 9 Uhr starten, aber des Teambuildings halber, hat man das verschoben. So konnten wir dann nach dem Essen Namensspiele machen und den Ablauf des Programms und seine Ziele besprechen. Generell geht es darum, eine Werbung für ökologisches Bewusstsein in Form einer Straßenaktion zu machen und natürlich auch um unsere persönliche Entwicklung, die Sprachkenntnisse (Englisch, und was man sonst noch so lernt), Kreativität, interkulturelle Kompetenzen, Freundschaften, Initiative ergreifen und so weiter. Wir haben auch Hoffnungen und Befürchtungen. Die Befürchtungen sollten wir erst auf Papier zusammentragen und dann zu einem Song verarbeiten. Beim meiner Gruppe ist der Refrain von „Sex Bomb“ verfremdet worden: „ Too much, too cold/ getting too sick/being tired/eating too much/people not involved“ und dann das ganze nochmal! Mal sehen, vielleicht gibt es ja davon eine Aufnahme. Danach gab es auch schon wieder Abendessen und Umweltwerbeclips in Englisch, damit wir ein bisschen Inspiration bekommen.

Die Leute hier (35 junge Menschen zwischen 18 und irgendwas aus Bulgarien, Italien, Polen, Griechenland, Zypern, Rumänien, Türkei) sind alle unheimlich nett und wir haben eine überdurchschnittliche Beteiligung gut aussehender Menschen. Es gibt auch ein Grüppchen Jungs – junge Männer, was sagt man denn dazu? – aus Polen, Griechenland und Rumänien, die immer über ihre eigenen Witze lachen, als wären sie verliebte Grundschulmädchen, macht aber Spaß dabie zuzusehen. Die meisten hier sind ziemlich lustig oder zumindest auf irgendeine andere Weise interessant, zum Beispiel Asia aus Polen, die mit mir auf einem Zimmer ist und mit mir immer ein Mischung aus Deutsch, Polnisch und Englisch spricht, oder einer der Griechin, dessen Mutter Deutsche ist, sein Vater Grieche, aber er studiert in Rumänien, mit dem ist es zum Beispiel ganz schön mal Deutsch zu reden. Die Polen, vom Gesicht her irgendwie offenkundig, die abwechselnd immer was zum Besten geben, was dich garantiert zum Lachen bringt, sind mir sehr symphatisch.

Die Zimmer sind übrigens ziemlich klein und eng und im Schrank ist für uns vier Mädchen gerade mal für unsere Jacken Platz, es gibt auch noch ein paar andere kleine Unstimmigkeiten bezüglich des Toilettenpapiers oder Handtüchern oder der Heizmethode, aber das ist eh alles nebensächlich. Das Essen ist ganz ok, also ist ja alles gut.

Jetzt muss ich noch zur ersten der kommenden Parties gehen, ab geht die Post!

20. Februar 2012

20.02.2012 – Auf nach Rumänien

Heute bin ich mit Andreas, Donna, Elisabeta und Charalambia zum Youth Exchange nach Rumänien abgereist. Meine perfekt gepackte Tasche mit allen Medikameten, Anziehsachen, die für mindestens 7 Schichten auf dem Körper und den nächsten Wintereinbruch reichen, habe ich mich mittels Bus auf den Weg gemacht. Pünktlich am Flughafen angekommen, habe ich als gewandte, sparsame Weltenbummlerin, natürlich erst dort bemerkt, dass ich den Online-Check-In vergessen habe, das hätte mir 10 Euro gespart. So ist das eben. Genauso wie mit dem Schlüssel eines Hotelzimmer, den ich erst nach 30 km Autobahn in meiner Hosentasche bemerkt habe. Professionell wie immer eben. Der Flug verlief glatt, die Landung war superweich. Bei -1°C haben meine Mitstreiter und ich versucht einen Bus zu finden, der uns in Richtung Hotel bringt, und das 22.30 Uhr. Zunächst kamen allerdings erstmal gefühlte 50 Taxifahrer (oder waren es vielleicht wirklich 50?), die uns eine Fahrt aufdrängen wollten, Buse gäbe es um die Zeit nicht mehr, und die Richtung wär auch falsch. Zum Glück war Gruppenleiter Andreas sehr überzeugt von seiner Internetrecherche, sodass wir dann nach Befragung einiger Busfahrer richtigerweise die Straßenseite gewechselt und auch einen Bus bekommen haben. Einfach unglaublich. Haben auch erstmal 20 Fotos gemacht. Wir beim Warten, wir mit den Taxifahrern, wir unter der Straßenlaterne, wir endlich auf der richtigen Straßenseite, wir im Bus, wir neben zugeschneiten Autos. Dabei dachte ich immer, die Japaner seien schlimm.
Nach einigen Verirrungen im abendlichen Bukarest und unbeabsichtigten Tapsern in tiefe Eiswasserpfützen haben wir auch unser Hostel für die erste Nacht gefunden. Das echt klasse ist. WG-Charakter, gemütlich, warm, Mehrbettzimmer, WLAN, Gemeinschaftskühlschrank, Frühstück, Waschmaschine, Bettzeug, ordentliches Bad und großer Gemeinschaftsraum in zentraler Lage mit guter Busanbindung. Für 9 Euro die Nacht. Ich mag die Stadt ja schon jetzt. Für alle, die mal nach Bukarest wollen, kann ich das nur empfehlen. Fehlt nur noch der Fön (kleiner Scherz am Rande). Die anderen haben sich noch mal auf den Weg gemacht, um in irgendeine Bar zu gehen, aber ich bin nach der Taschenrumschlepperei zu fertig, um da mitzumachen. Morgen müssen wir 9 Uhr mit dem Zug nach Galati fahren. Wie sie hier nicht alle in ihren Flip-Flops rumlaufen, unsere spanischen Mitbewohner. Das scheint wirklich was spanisches zu sein, Elena, die mal mit mir in Agros war hat das auch gemacht. Und Laura aus Spanien, die in Limassol EVS macht, hält’s genauso. Wer’s mag. Ich persönlich habe ja meine Biolatschen mitgebracht.^^


Soweit alles klar,

Eure Elisa